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Gefühlte Armut

Die gefühlte oder sozio-kulturelle Armut entspringt einem subjektiven Gefühl und Bewusstsein der Betroffenheit und lässt sich nicht an Einkommensgrenzen festmachen. Sie stellt sich oft ein, wenn Menschen sich aufgrund ihrer wirtschaftlichen Situation gesellschaftlich ausgegrenzt oder diskriminiert fühlen, wenn sie das Gefühl haben, nicht integraler Bestandteil der Gesellschaft zu sein, in der sie leben.

Haben Menschen einen bescheidenen und einfachen Lebensstil selbst gewählt, so verstehen sie sich in der Regel nicht als arm. Haben sie jedoch das Gefühl, Objekt und Opfer von Umständen oder Entwicklungen zu sein, die sie nicht kontrollieren können und weswegen sie unfreiwillig materielle und seelische Not leiden, so begreifen sie sich oft als arm, selbst wenn sie nach objektiven Maßstäben nicht zu den Armen zu rechnen wären. So prägt sie vor allem eine Perspektivlosigkeit und die Abwesenheit von der Hoffnung und Zuversicht, dass man sich durch eigener Hände Arbeit selbst aus der Notlage wird befreien können.
Dabei ist gefühlte Armut in entwickelten Ländern viel öfter vorzufinden, als in den Ländern, wo Mangel an Mitteln, die man für den Alltag braucht, bei jedem Schritt und Tritt spürt. Als von Armut betroffen oder bedroht fühlen sich gerade in Deutschland Menschen, die entweder durch Schicksalsschläge schwere Einkommenseinbußen und eine Rückstufung ihres Lebensstandards hinnehmen mussten, oder die eine Verschlechterung ihrer wirtschaftlichen Situation befürchten. Es ist weniger das konkrete Einkommen, das diese Art der Armut auszeichnet, als vielmehr das subjektive Bewusstsein und die empfundene Ohnmacht.  „Es ist die abschüssige Bahn, nicht die Armut, sondern der Weg dahin, den die Deutschen fürchten. Und das Schlimme ist: Die Regierenden, ja das politische System der Parteien scheint ihnen nicht den Schimmer einer Hoffnung zu geben. Die gefühlte Armut – das ist die fehlende Perspektive.“ (Hellmuth Karasek, in: Der Tagesspiegel vom 4. 12. 2002)

An dieser Stelle muss auch zugestanden werden, dass der Begriff „gefühlte Armut“ auch kritisiert worden ist als der Versuch sich einzureden, arm und benachteiligt zu sein, obwohl es einem objektiv gut geht. „Der Ausdruck ‚gefühlte Armut’ ist ein weiterer Indikator für das hohe Niveau, auf dem wir es uns zum Jammern bequem gemacht haben. Ach Gott, was gehts mir schlecht, der Nachbar hat ein neues Auto“, sagt Dietmar Hefendehl auf der Seite „wissen.de“ in seiner Begründung, den Begriff „gefühlte Armut“ als Wort des Monats gewählt zu haben. Insofern ist vorzuziehen, eher von sozio-kultureller Armut zu sprechen, der man durchaus eine gewisse Objektivität zuordnen kann, selbst dann, wenn die Betroffenen sich nicht als „arm“ fühlen, ein Phänomen, das man vor allem bei Kindern feststellen kann, die sich oft erst dann als arm begreifen, wenn sie sich gegenüber anderen benachteiligt wissen.


Weiterführende Links:


Internetseite der Jugendrotkreuzler zum Thema Armut:
Armut: Schau nicht Weg!

Informative Dokumente des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln unter dem Stichwort „Armut“:
Institut der deutschen Wirtschaft: Armut
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