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Prävalenz absoluter Armut

In Zahlen

Die Zahl derer, die als absolut arm gelten, also 1 Dollar und weniger zur Verfügung haben, betrug nach Auskunft der Weltbank im Jahr 1990 noch 1,25 Milliarden. Im Jahr 2004 war die Zahl der absolut Armen auf 970 Millionen gesunken. (Die Jahreszahl 1990 als Ausgangspunkt ist deshalb wichtig, weil das erste der im Jahr 2000 verabschiedeten 8 Millenniumsziele eine Halbierung der Zahl der absolut Armen bis 2015 anvisiert – allerdings nicht auf das Jahr 2000 bezogen, sondern auf das Jahr 1990.)

Die Zahl derer, die nur 2 Dollar und weniger zur Verfügung haben und deshalb auch noch sehr arm sind, betrug 1990 immerhin 2,65 Milliarden Menschen. Bis zum Jahr 2004 sank diese Zahl nur leicht auf 2,55 Milliarden. Es scheint offenbar schwieriger, die Zahl der unter-2-Dollar-Verdiener zu senken, als die Zahl der unter-1-Dollar-Verdiener zu reduzieren.

Interessant ist der Vergleich zwischen den zwei bevölkerungsreichsten Staaten der Erde: Indien und China. Während in Indien die Zahl der absolut Armen über den Zeitraum zwischen 1990 und 2004 stagnierte bzw. zunahm (von 376 auf 370 Mio für die 1-Dollar-Grenze und von 733 auf 867 Mio für die 2-Dollar-Grenze), nahm sie in China deutlich ab (von 374 auf 128 Mio für die 1-Dollar-Grenze und von 820 auf 452 Mio für die 2-Dollar-Grenze).

Weil China eine so positive Entwicklung durchläuft, gibt man bei der Berechnung der Prävalenz der absoluten Armut die Zahlen sowohl inklusive China als auch exklusive China an. Es zeigt sich nämlich, dass wenn man China mit einbezieht, sich die weltweite Zahl der absolut Armen über die Jahre reduziert hat, wohingegen sie kaum abnimmt, wenn man China herausrechnet. Konkret heißt das: Rechnet man China heraus, so hat sich die Zahl der absolut Armen von 1990 auf 2004 von 873 Millionen nur leicht auf 841 Millionen reduziert. Bezogen auf die 2-Dollar-Grenze wuchs die Zahl der Betroffenen von über 1,83 Milliarden auf fast 2,1 Milliarden an.

Arme auf dem Lande und in der Stadt


Interessant ist der Vergleich zwischen den absolut Armen, die auf dem Land leben, und denen, die in der Stadt leben. Es ist klar, dass die meisten absolut Armen immer noch im ländlichen Bereich zu finden sind. 1993 lebten mehr als 1 Milliarde in ländlichen Gebieten und nur rund 240 Millionen in den Städten. Bis 2002 verschob sich das Verhältnis zugunsten der ländlichen Armen etwas: nur noch 890 Millionen im ländlichen Bereich, aber nunmehr 290 Millionen im städtischen Bereich. Dies deutet einerseits auf eine Landflucht in die Städte hin, andererseits aber auch auf die Schwierigkeit, sich in der Stadt den Lebensunterhalt zu verdienen. Bei der 2-Dollar-Grenze waren es 1993 2,2 Milliarden im ländlichen Bereich und 686 Millionen im städtischen Bereich; im Jahr 2002 betrug die Zahl der absolut Armen im ländlichen Bereich 2,1 Milliarden, und die der absolut Armen im städtischen Bereich 750 Millionen.

In Prozenten


Man kann die absolut Armen statt in absoluten Zahlen auch in Prozentzahlen, also als Anteil an der Gesamtbevölkerung, angeben. In der hier zugrunde liegenden Weltbankstudie wird diese anteilsmäßige Entwicklung von 1981 bis 2004 verfolgt.

Die höchsten Anteile der absolut Armen an der Gesamtbevölkerung fanden wir 1981 im Bereich Ostasien und Pazifik (mit fast 58%), vor allem in China (mit fast 64%). Sehr hoch war auch die Region Südasien (fast 50%) mit Indien darunter (51%). Der prozentuale Anteil der absolut Armen in Schwarzafrika betrug dagegen nur rund 42%.

Bis zum Jahr 2004 hatten sich diese Prozentzahlen zum Teil deutlich verbessert. In Ostasien und Pazifik sank der Prozentanteil der absolut Armen von fast 58 auf nur 9%. In China sank der Anteil sogar noch mehr: von 64% auf 9%. In Südasien sank der Anteil von fast 50% auf knapp über 30% (Indien: von 51% auf 34%). Für Schwarzafrika hingegen blieben die Prozentzahlen nahezu unverändert: von 42% im Jahr 1981 auf 41% im Jahr 2004. Es zeigt sich also, dass während die Armutsreduzierung in Südasien und Ostasien/Pazifik deutliche Fortschritte verzeichnen konnte, stagnierte die Situation weitgehend im Afrika südlich der Sahara.

Gibt es absolut Arme in Deutschland?


Ja, meist handelt es sich hierbei um Obdachlose und Straßenkinder, die aufgrund ihrer familiären Situation oder aufgrund von Suchtproblemen auf der Straße gelandet sind. Oft spielen auch häusliche Gewalt oder Straffälligkeit eine Rolle. Erfreulich ist, dass es in den letzten Jahren zu einem deutlichen Rückgang der Wohnungslosigkeit gekommen ist. Laut dem 2. Armutsbericht der Bundesregierung sank die Zahl der Obdachlosen von 530.000 im Jahr 1998 auf 310.000 im Jahre 2003. Die Zahl der Straßenkinder bzw. -jugendlichen wird auf 5.000 bis 7.000 geschätzt.
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