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Der PRSP-Prozess

PRSP steht für Poverty Reduction Strategy Papers, auf deutsch: „Strategiepapiere zur Armutsminderung“.

In den Neunziger Jahren waren der Internationale Währungsfonds und die Weltbank zunehmend kritisiert worden, weil die von ihnen erzwungenen „Strukturanpassungsprogramme“ zur Wiederherstellung der Kreditwürdigkeit armer verschuldeter Länder mehr negative als positive Folgen zeitigten. So kritisiert, stellten der IWF und die Weltbank schließlich einen neuen Ansatz zur Armutsbekämpfung vor. Im Rahmen dieses neuen Ansatzes sollten die Entwicklungsländer in Eigenverantwortung und unter Beteiligung der zivilgesellschaftlichen Gruppen (unter anderem Parteien und Parlamente, Gewerkschaften, Unternehmerverbände und Kirchen, Nichtregierungsorganisationen und Genossenschaften, Verbände und Basisgruppen) nationale Strategien zur Armutsbekämpfung entwickeln, die in den sog. Poverty Reduction Strategy Papers (PRSP) formuliert werden sollten. Die Rolle von IWF und Weltbank beschränkt sich bei der Entwicklung der nationalen Armutsstrategien auf eine beratende Funktion. Andere Akteure wie UN-Organisationen, bilaterale Geber und NROs sollen in dieser Phase ebenfalls beratend tätig werden. Die fertiggestellten Strategiepapiere müssen jedoch von den Exekutivgremien des IWF und der Weltbank genehmigt werden, so dass beide Institutionen noch immer einen entscheidenden Einfluss auf die Entwicklungsstrategien der Länder haben können. Mit dieser neuen Poverty Reduction Strategy (PRS) sollen für jedes Land angemessene Stabilisierungs-, Struktur- und Sozialpolitiken ermittelt werden, um Armut zu reduzieren und gesellschaftliche Entwicklungen zu erreichen. Zudem dienten die PRSP auch als Voraussetzung für die Entschuldung der hoch verschuldeten armen Länder (HIPC-Länder). Die PRSP werden damit zum wichtigen Planungs- und Steuerungsinstrument in den ärmsten Entwicklungsländern und bilden die programmatische Grundlage für alle künftigen Anpassungsprogramme und Projektkredite von IWF und Weltbank. Ganz im Sinne eines klassischen Policy-Zyklusses ist ein Kreislauf von Analyse (der Armutssituation), Strategieentwicklung (zur Armutsbekämpfung), Implementierung, Monitoring und Evaluierung vorgesehen.

Wesentliche Elemente der PRSP sind: eine Armutsanalyse einschließlich der Armutsursachen und der wichtigsten Hindernisse zur Überwindung der Armut; die Formulierung von Zielsetzungen; die Ausarbeitung einer Strategie zur Armutsminderung; die Berechnung der für ihre Umsetzung anfallenden Kosten, die Ermittlung eigener Ressourcen und noch notwendiger externer Hilfe; die Beschreibung des partizipativen Prozesses zur Erarbeitung der PRSP; und die Darlegung der Umsetzung und der Umsetzungskontrolle.



Weiterführende Links:

VENRO-Seite zum PRSP-Prozess:
"PRSP - Chancen und Grenzen zivilgesellschaftlicher Beteiligung"

Informationen der Weltbank zur Armutsbekämpfungsstrategien:
The World Bank: "Porverty Reduction Strategies" (englisch)

Informationen des Internationalen Währungsfonds zum PRSP-Prozess:
"Poverty Reduction Strategy Papers" (englisch)

Kritische Stimmen zu Weltbank und IWF:
"Bretton Woods project": "SAPs/ PRSPs" (englisch)
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