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Soziale Entwicklung und soziale Sicherheit

Soziale Entwicklung

Soziale Entwicklung sucht die sozialen Verhältnisse eines Entwicklungslandes zu verstehen und vor allem die Bedürfnisse und Nöte der armen Menschen in den Blick zu bekommen. Dabei wird Armut nicht nur als niedriges Einkommen verstanden, sondern auch als allgemeine Gefährdung, als Diskriminierung und Ausgrenzung sowie als Mangel an Einfluss und Partizipation. Soziale Entwicklung stellt auch in Rechnung, dass die Armen allgemein schlechtere Chancen für ihre Entwicklung haben als die Wohlhabenden. Indem die verschiedenen Aspekte, Ursachen und Folgen der Armut in ihrer Vielfaltigkeit und Mehrdimensionalität gesehen und angegangen werden, könnte es gelingen, die sozialen Hindernisse einer Entwicklung zu überwinden. Es geht nicht nur um Einkommen und Liquidität, sondern um ein ganzes Bündel an Maßnahmen, die darauf angelegt sind, eine Transformation der armen und benachteiligten Gesellschaftsgruppen herbeizuführen, damit die Armen zu Bürgern werden, die an den gesellschaftlichen Prozessen teilhaben, sie mitbestimmen und schließlich auch von ihnen profitieren. Dazu ist es nötig, eine allgemeine Politik zu betreiben, die

  • die Menschenrechte beachtet
  • die Verantwortung des Staates für die bedürftigen Gruppen betont
  • das multikulturelle Spektrum einer Nation berücksichtigen
  • die Machtverhältnisse erkennen und entsprechenden – auch institutionellen – Ausgleich schaffen


Zur sozialen Entwicklung gehören vor allem folgende Bereiche

Partizipation
Bildung
Gesundheit und soziale Sicherheit

Soziale Sicherheit

Unter sozialer Sicherung versteht man ein ganzes Bündel von Maßnahmen, die dem Schutz des Menschen vor individuellen Lebensrisiken und dem Ausgleich ihrer wirtschaftlichen Folgen dienen. Die soziale Sicherheit erlaubt es den Bürgern, auch im Falle der Erwerbsunfähigkeit ein menschenwürdiges Leben zu leben und einen minimalen Lebensstandard beizubehalten, der sich an den Durchschnittsverhältnissen des jeweiligen Landes orientiert. Soziale Sicherheit ist geprägt vom Solidaritätsprinzip, gemäß dem die finanziell Starken für die finanziell Schwachen aufkommen, um Härtefälle möglichst auszuschließen. Die soziale Sicherheit erfordert ein soziales Netz, zu dem vor allem zu rechnen sind:

  • Sozialversicherungen: Rentenversicherung, Krankenversicherung, Unfallversicherung, Arbeitslosenversicherung u.ä.;
  • Sozialleistungen: neben staatlicher Sozialversicherung auch noch Sozialhilfe, Wohngeld, Erziehungsgeld und Ausbildungsförderung;

Um Risiken und Belastungen möglichst breit zu streuen, baut das soziale Netz sowohl nicht nur auf den Sozialstaat, sondern auch auf Wirtschaft und Eigeninitiative. Bei der Altersversorgung spricht man beispielsweise vom „Drei-Säulen-Prinzip“, womit die Kombination von gesetzlicher Rentenversicherung, betrieblicher Altersversorgung und privater Altersvorsorge gemeint ist.

In vielen Entwicklungsländern sind diese sozialen Sicherungssysteme nur rudimentär oder überhaupt nicht ausgebildet und in vielen Fällen nur für Beamte vorgesehen. Meist wird das Risiko der Erwerbsunfähigkeit den Großfamilien aufgebürdet, ohne dass der Staat hier eine Verantwortung sieht, für Witwen und Waisen, Alte und Behinderte aufzukommen, die entweder ihrer Familie zur Last fallen oder gänzlich unversorgt bleiben und deshalb zu einer höheren Kindersterblichkeit und niedrigeren Lebenserwartung beitragen.
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