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Fairer Handel

Fairer Handel hat zwei Bedeutungen:

1. Zum einen verstehen wir darunter den Handel und Verkauf von Produkten aus Entwicklungsländern, die hierzulande zu Preisen höher als marktüblich angeboten werden, um den Produzenten ein höheres und verlässlicheres Einkommen als im herkömmlichen Handel zu ermöglichen.

2. Zum anderen verstehen wir unter fairem Handel ein faireres internationales System von Handelsabkommen, das es armen Ländern gestattet, Zugang zu den Märkten der reichen Industrienationen zu erhalten, und zwar durch den Abbau von Zöllen, Quotenbeschränkungen und Subventionen.

Erfolgreicher Handel am Weltmarkt hat das Potenzial, Millionen von Menschen aus der Armut zu helfen, während der Ausschluss vom Weltmarkt die Armut armer Länder noch verstärken kann.

Die Industrienationen haben sich wiederholt dafür ausgesprochen, den Entwicklungsländern, insbesondere den am wenigsten entwickelten Ländern (vornehmlich in Afrika) Zugang zu ihren Märkten zu verschaffen. Im Absatz 3 des Trade Communiqué der WTO Doha Development Agenda heißt es: „ Wir verpflichten uns, Handelsverzerrende Subventionen substantiell zu reduzieren und Marktzugänge substantiell zu verbessern…“

Doch eine Verbesserung ist nur teilweise eingetreten: Während manche Entwicklungsländer (wie China) die Weltmärkte erobern, bleiben andere Länder mehr und mehr vom Weltmarkt ausgeschlossen. Beispielsweise hatte Afrika im Jahr 1980 noch einen Anteil am Weltmarkt von 6%. Im Jahr 2002 war dieser Anteil auf magere 2% gesunken – obwohl Afrika 12% der Weltbevölkerung ausmacht. Könnte Afrika seinen Anteil am Weltmarkt nur um 1% erhöhen, so bedeutete dies ein zusätzliches Einkommen von 70 Milliarden US$ jährlich!

Reiche Länder propagieren die Abschaffung von Handelsbeschränkungen, die Liberalisierung der Märkte und den Abbau von Zöllen – doch mehr zu ihrem eigenen Nutzen als zum Wohl der Entwicklungsländer. Wenn es ans „Eingemachte“ geht, schützen sie ihre eigenen Märkte gegen den Zugriff aus den armen Ländern. Das machen sie auf folgende Weise:

1. Sie subventionieren ihre eigenen Erzeugnisse und verschaffen ihnen dadurch einen unrechtmäßigen Vorteil am Weltmarkt. Arme Länder haben nicht das Geld, ihre eigenen Erzeugnisse in ähnlicher Weise zu subventionieren.

2. Sie errichten Quoten für Importwaren und begrenzen somit die Einfuhrmengen von Waren aus Entwicklungsländern.

3. Sie erheben Zölle auf Einfuhren, so dass die armen Länder mit ihren Produkten auf den Märkten der Industrienationen nicht mithalten können.

4. Sie erlauben zwar oft den freien Zugang von unverarbeiteten Rohstoffen, erheben aber drastische Zölle auf verarbeitete Produkte. Beispielsweise kann Ghana Kakao frei nach Europa exportieren, muss aber einen Zoll von 25% in Kauf nehmen, sobald es den Kakao verarbeitet (rösten, verpacken, etikettieren). Gerade an der Weiterverarbeitung würde das Ursprungsland verdienen.

Die USA, die EU und andere Industrienationen haben nach mühsamen Verhandlungen den ärmsten Ländern Zugang zu ihren Märkten erschlossen, doch sie wachen gleichzeitig darüber, dass diese Handelserleichterungen nicht zu dramatischen Einbrüchen der eigenen Exporte führen. So hat die EU schon vor Jahren Zugangserleichterungen für die AKP-Staaten (Afrika, Karibik und Pazifik-Länder) sowie für die LDC-Staaten (Least Developed Countries) beschlossen. Diese Präferenz-Behandlung wurde 2001 in ein Programm mit dem Namen Everything but Arms (EBA) konsolidiert. Demnach sollten diese Staaten alle Produkte außer Waffen nach Europa exportieren können. Einstweilen ausgeschlossen blieben jedoch so wichtige Landwirtschaftsprodukte wie Bananen, Reis und Zucker. Das Programm wurde deshalb auch unter dem Spottnamen Everything but Farms bekannt.

Nun muss allerdings zugestanden werden, dass der freie Zugang zum Weltmarkt und zu den Märkten der Industrienationen nicht automatisch dazu führt, dass die ärmsten Länder ihre Exporte erhöhen können. Ein wichtiges Hindernis auf dem Weg dahin ist die mangelnde Kapazität der armen Entwicklungsländer, insbesondere in Afrika, geeignete Produkte anzubieten, sie schnell und reibungslos zu transportieren und dann effizient zu vermarkten. Hier fehlt es vielen Ländern an Infrastruktur, technischen Know-How und Marktkenntnissen. Geberländer können in diesem Bereich wertvolle Entwicklungshilfe leisten. Aber auch die afrikanischen Länder müssen ihren eigenen Beitrag leisten, indem sie die eigenen Farmer mit Know-How unterstützen und indem sie erleichternde Handelsabkommen mit ihren Nachbarstaaten abschließen.


Weiterführende Links:

Oxfam Trade Campaign:
Trade Campaign (englisch)

Das Internet-Portal zum oeko-fairen Handel:
Öko-Fair

Eine Informationskampagne zum fairen Handel:
Fair Feels Good

Verbraucher-Initiative zum fairen Handel:
Die Verbraucher Initiative e.V.: Fairer Handel

Viele Informationen über Fairtrade auf der Website von Fairtrade Deutschland:
Über Fairtrade

Die Internetseite der „Weltläden“:
Weltladen - Fachgeschäft für Fairen Handel

Internetseite der United Nations Conference on Trade and Development (UNCTAD):
About UNCTAD (englisch)

Die Forschungsseite der Jubilee-Seite, auf der man nach weiteren Informationen suchen kann:
Jubilee Research - Drop the Debt
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