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Mangel an Bildung und Ausbildung

Armut und Analphabetentum gehen oft einher, besonders wenn es um extreme Armut geht. Aber auch hierzulande gibt es eindeutige Bezüge zwischen Armut und Bildungsdefiziten. Man kann den Zusammenhang zwischen beiden kurz so auf einen Nenner bringen: Armut verhindert Bildung, und Bildung verhindert Armut.

In vielen Entwicklungsländern haben die Armen keinen Zugang zu Bildung, oft weil es im ländlichen Bereich gar keine Schulen gibt oder weil es, wenn es doch Schulen gibt, diese entweder schlecht ausgestattet sind oder es für sie keine gute Lehrer gibt. Viele Lehrer, die ja zu den besser Ausgebildeten gehören und deshalb auch höhere Ansprüche an Lebensstandard und gesellschaftliche Anbindung haben, wollen nicht aufs Land, wo die Lebensverhältnisse oft ärmlich sind. Wichtiger als solche logistischen und infrastrukturellen Hürden sind jedoch auch die Hürden in den Köpfen der Menschen: viele erkennen nicht den Wert einer guten Schulbildung; aber noch viel mehr Menschen erkennen den Wert zwar, können sich die Bildung ihrer Kinder aber nicht leisten. Selbst dort, wo der Unterricht kostenfrei ist, fehlt es den Eltern oft an Geld für Schuluniformen, Schulbücher, für Lernmittel oder Fahrtkosten. Weil Kinder oft weite Wege zur Schule laufen müssen – ein, zwei oder drei Stunden – ist ihnen der Schulweg dann verwehrt, wenn sie wegen Hunger und Mangelernährung nicht kräftig genug sind, diese Strapazen auf sich zu nehmen.

Den Zusammenhang zwischen Armut und Mangel an Bildung kann man auch in unserem Land feststellen, wo Schule und oft sogar die Schulbücher kostenfrei sind. Offenbar „sind die Hürden des Bildungssystems so hoch, dass die Schwachen sie nur selten überspringen können: Bildungschancen werden weiterhin ‚sozial vererbt’. So weist der Armutsbericht aus, dass die Chancen für eine Gymnasialempfehlung für ein Kind aus einem Elternhaus mit hohem Sozialstatus fast dreimal so hoch wie die eines Facharbeiterkindes sind. Und Kinder aus gutverdienenden Elternhäusern haben sogar eine 7,4-fach größere Chance ein Studium aufzunehmen (vgl. Armutsbericht 2004).“

Wer eine gute Schulbildung und danach noch eine gute Berufsausbildung durchlaufen hat, hat zwei große Vorteile: Er hat einen Lebenslauf, der ihm unter günstigen Voraussetzungen einen gutbezahlten Job einbringt. Aber wichtiger noch: Er hat Kenntnisse und Fertigkeiten, die es ihm gestatten, sich auch anderweitig durchs Leben zu schlagen oder notfalls selbständig zu werden. Umgekehrt tun sich Menschen ohne Bildung und Ausbildung nicht nur schwer, einen Job zu finden (außer vielleicht einen Niedriglohnjob), sondern sie wissen oft auch nicht, was sie sonst tun müssen, um ihre Familie zu ernähren.

Das Entscheidende: Armut ist nicht nur von Geldmangel gekennzeichnet, sondern vor allem von einem Mangel an Wissen, einem Mangel an Gelegenheiten, einem Mangel an empowerment, also einem Bewusstseinsmangel. Empowerment bedeutet, dass ich mir etwas zutraue, dass ich etwas kann, dass ich Rechte und Fähigkeiten habe, dass ich mein Schicksal selbst in die Hand nehmen kann. Ich kann mein Leben gestalten, muss nicht Opfer von äußeren Umständen sein, sondern verstehe mich als Subjekt und Gestalter meiner eigenen Zukunft. Das ist Bildung. Das ist Wohlstand. Das ist mein Vermögenswert, das ist mein Kapital. Im vom Bürgerkrieg vielfach zerrütteten Libanon legen die Menschen großen Wert auf ihre Bildung, weil sie glauben: „Man kann mir alles nehmen, nur das nicht, was zwischen meinen Ohren ist.“ Mangel an Bildung ist also eine der wesentlichen Ursachen von Armut, und Bildung einer der Schlüssel zum Wohlstand. Andererseits: Mangel an Bildung kann auch eine Folge der Armut sein, wenn der Mangel an Geld dazu führt, dass Eltern kein Schulgeld zahlen oder - sofern keines anfällt - die Schuluniformen, das Schulmaterial und die Schulbücher nicht kaufen können. Insofern droht sich hier der Teufelskreis von Armut und Unwissenheit zu entfalten. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass allen Kindern, auch den ärmsten, der kostenlose Schulbesuch ermöglicht wird, damit alle eine Chance für würdiges Leben bekommen.


Weiterführende Links:

Ein guter Ausgangspunkt für Informationen zum Thema Armut und Bildung auf der Seite des Bundesministeriums für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung:
BMZ: "Bildung - ein Menschenrecht"

Über Bildungsarmut in Deutschland informiert die Bundeszentrale für politische Bildung:
BpB: Bildungsarmut

Eine Kurzfassung des UNESCO-Weltberichts „Bildung für alle 2007“:
"Bildung für alle - Solide Grundlagen: Frühkindliche Förderung und Erziehung"

UNICEF-Information über das Recht auf Bildung .
"Der Kampf gegen Unwissenheit und Ausbeutung: Das Recht auf Bildung"

Kompletter englischsprachiger UNESCO Bericht zu „Education for All 2007“ (400 Seiten):
Education for All - Global Monitoring Report (englisch)

Gutachten zur „Bildungsarmut und Humankapitalschwäche in Deutschland“ des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln:
Bildungsarmut und Humankapitalschwäche in Deutschland

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