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Kulturelle Ursachen

Mit kulturellen Ursachen der Armut meinen wir hier, dass zahlreiche Völker und Kulturen Lebensgewohnheiten und Wertesysteme haben, die dem modernen kapitalistischen Wirtschaftssystem fremd sind und die deshalb auch einen anderen Wohlstands- bzw. Armutsbegriff kennen als wir. So gibt es Völker und Stämme, die ihren Wohlstand nicht am Geld festmachen, sondern an der Zahl der Kühe, Ziege oder Schweine. Oder an der Anzahl der angetrauten Frauen. Diese Gesellschaften haben vielleicht kein fließendes Wasser und keine Elektrizität, keine Schulen und Hospitäler, keine Straßen und Autos, aber dennoch halten sie sich nicht für arm, weil sie reich an Zeit, Kindern, Traditionen, Tieren und überlieferten Geschichten sind, die sie sich abends nach dem Tanzen unter großem Beifall und Gelächter am Lagerfeuer erzählen. Sie haben eine soziale Hierarchie, in der die Ältesten geachtet werden, haben einen Gemeinsinn, bei dem jeder für jeden da ist und niemand an seinem Besitz festhält, sondern mit anderen teilt, wo Kinder von einem ganzen Dorf großgezogen werden und wo man den modernen Versuchungen einer industrialisierten Gesellschaft mit Argwohn entgegentritt. Mit berechtigtem Argwohn sogar, wenn man bedenkt, dass diese Menschen, sobald sie sich dem monetären System öffnen würden, alsbald auf der untersten Sprosse der neuen Hierarchie wiederfinden würden. Dennoch, so scheint es, erliegen alle diese Gesellschaften über kurz oder lang dieser Versuchung, weil die Vorteile, die ihnen das fremde System bringt, ihre unwiderstehlichen Reize haben: mehr Gesundheit, Bildung, Transportmöglichkeiten, Elektrizität, Radio und Fernsehen und was alles noch an reizvollen Erfindungen sich ihnen anbieten.

Armutsfördernde Weltbilder

Mit kulturellen Ursachen der Armut kann aber auch gemeint sein, dass bestimmte kulturelle Strukturen und Vorstellungen Armut festschreiben, so dass es schwierig wird, aus diesen Vorstellungen auszubrechen. Beispielsweise neigt das indisch-hinduistische Weltbild mit Seelenwanderung, Karma und Kastensystem dazu, die Armut der Kastenlosen zu zementieren. Nicht nur die höheren Kasten, sondern auch die Kastenlosen selbst finden sich weitgehend mit ihrem Schicksal ab, zur Armut verdammt zu sein, weil sie glauben, dass dies das ihnen vom Schicksal bzw. von ihren vorigen Leben auferlegte Los ist. Sie kommen nicht auf die Idee, dass sie sich schon in diesem Leben aus ihrer Lage befreien könnten, denn das hieße, dass sie mit dem ihnen rechtmäßig zugeteilten Karma nicht einverstanden wären. Ein Ausbrechen aus dieser kulturellen Falle ist oft nur möglich, wenn diese Menschen ihr Weltbild verändern, sei es, dass sie in den Genuss von Bildung kommen, sei es, dass sie konvertieren, etwa zum Christentum, wodurch ihnen ein anderes Weltbild vermittelt wird. Entwicklung, so könnte man sagen, findet vor allem in den Köpfen von Menschen statt, und das gilt in besonderem Maße für jene, die durch ein philosophisch-kulturelles Weltbild in Armut verstrickt sind. Es ist eine Bewusstseinsänderung nötig, um Menschen zu neuem Potential zu verhelfen.


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