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Kindersterblichkeit und Lebenserwartung

Kindersterblichkeit und Lebenserwartung gehören zu den sicheren Kennzeichen und Folgen von Armut.

Hohe Kindersterblichkeit

Es besteht eine eindeutige Korrelation zwischen Armut und hohen Kindersterblichkeitsraten. Während die Kindersterblichkeit in reichen Ländern niedrig ist, ist sie in armen Ländern hoch. In wohlhabenden Staaten kommt ein Kindtod (unter 5 Jahren) auf etwa 140 Kinder, die überleben. In Ländern mit niedrigem Einkommen stirbt jedoch jedes 10. Kind.

Kindersterblichkeit meint die Sterblichkeitsrate von Kindern unter fünf Jahren. Mit Säuglingssterblichkeit ist hingegen die Sterblichkeitsrate von Kindern unter einem Jahr gemeint. Mehr noch als eine hohe Kindersterblichkeitsrate ist eine hohe Säuglingssterblichkeitsrate Ausdruck und Folge von Armut und Unterentwicklung. Die Säuglingssterblichkeitsrate in Deutschland beträgt 4 von 1000. Die Säuglingssterblichkeitsrate beträgt weltweit über 50 von 1000. Die höchste Rate hat Angola mit ca. 190 von 1000.

Die häufigsten Todesursachen bei Kindern in Entwicklungsländern sind Infektionskrankheiten wie Atemwegserkrankungen, Durchfallerkrankungen, Tuberkulose, Malaria, Masern, Schlafkrankheit usw., neuerdings natürlich auch AIDS. Indirekt verantwortlich sind mangelnde Hygiene, insbesondere das Fehlen von sauberem Trinkwasser, eine mangelnde ärztliche Versorgung sowie Unterernährung. Alle diese Faktoren machen Infektionskrankheiten zu gefährlichen, tödlichen Erkrankungen. Eine weitere wichtige Todesursache gerade bei Säuglingen ist Austrockung (Dehydration), meist als Folge von Diarrhö.

Das 5. Ziel der Millenniumsziele hat sich zum Ziel gesetzt, die Kindersterblichkeitsrate (der unter-5-Jährigen also) von 1990 bis 2015 um zwei Drittel zu reduzieren. Der dem zugrunde liegende Optimismus rührte von den Erfolgen im Absenken der Kindersterblichkeitsrate vor 1990 her. Leider sind die Kindersterblichkeitsraten seit 1990 kaum noch gesunken, was vor allem mit Konflikten und den verheerenden Folgen von HIV und AIDS in Afrika zu tun hat.

Niedrige Lebenserwartung


Eine niedrige Lebenserwartung ist eine der Folgen von Armut. Die Lebenserwartung macht eine Aussage über das voraussichtliche Lebensalter, also die Anzahl von Jahren, die ein Mensch (oder auch ein Tier) einer bestimmten Gruppe im Durchschnitt leben wird. Obwohl man dieses Lebenserwartung für jedes Alter – etwa für einen Menschen von 40 Jahren – angeben kann, wird die Lebenserwartung am häufigsten auf die Geburt eines Menschen bezogen. Da man die Lebenserwartung eines einzelnen Menschen natürlich nicht sicher vorhersagen kann, stellt die Lebenserwartung immer nur einen Durchschnittswert einer bestimmten Population dar. Es wird gefragt: Wie hoch ist die durchschnittliche Lebenserwartung eines Menschen zum Zeitpunkt seiner Geburt (oder zu einem späteren Zeitpunkt) als Mitglied einer bestimmten Gruppe von Menschen?

Einer der wichtigsten Faktoren der Lebenserwartung ist die Kindersterblichkeitsrate. Ist diese hoch, ist die Lebenserwartung niedrig. Sinkt die Kindersterblichkeitsrate, steigt die Lebenserwartung. Da die meisten Kinder im Alter bis 5 Jahren sterben, wird in Ländern mit hohen Kindersterblichkeitsraten die Lebenserwartung nicht zur Zeit der Geburt angegeben, sondern zum 5. Geburtstag, um die Lebenserwartung von der Kindersterblichkeitsrate zu bereinigen. Bei einem Naturvolk mit einer hohen Kindersterblichkeitsrate könnte die Lebenserwartung beispielsweise zur Zeit der Geburt 30 Jahre betrage, im Alter von 5 Jahren hingegen 45 Jahre, im Alter von 15 Jahren 55 Jahre und im Alter von 50 Jahren 65 Jahre. Da eine hohe Kindersterblichkeitsrate armutsbedingt ist, ist auch eine niedrige Lebenserwartung weitgehend armutsbedingt.

Einer der wichtigsten Faktoren zur Senkung der Kindersterblichkeitsrate und zur Steigerung der Lebenserwartung ist die Hygiene: sauberes Trinkwasser, sterile Geburten sowie Toiletten und Abwassersysteme. Man hat statistisch zeigen können, dass die Einführung von Abwassersystemen die Lebenserwartung drastisch erhöhte. Während des größten Teils der Menschheitsgeschichte lag die Lebenserwartung um die 30. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts hatte sich im westlichen Europa die Lebenserwartung nur geringfügig auf 37 Jahre erhöht. Einen drastischen Aufschwang erlebte sie erst im 20. Jahrhundert. Heute liegt der Weltdurchschnitt bei ca. 67. In den industrialisierten Ländern liegt sie heute bei ca. 77/80 Jahren. Interessant ist, dass etwa in den USA es vor 100 Jahren noch einen erheblichen Unterschied in der Lebenserwartung von Weißen gegenüber Schwarzen gab, aber sich diese Unterschiede bis heute weitgehend, wenn auch noch nicht ganz, nivelliert haben, während es heute gravierende Unterschiede in der Lebenserwartung zwischen den Geschlechtern (ungeachtet der Hautfarbe) gibt.

Armut als Ursache einer niedrigen Lebenserwartung hat zu tun mit mangelnder Hygiene, einer fehlenden Behandlung von Kinderkrankheiten, einer unzureichenden Gesundheitsversorgung, mit Unfällen in Berufsleben und Verkehr bzw. mit Gesundheitsschäden durch Umweltverschmutzung.

Dank sinkender Kindersterblichkeitsraten und anderer Faktoren konnte die Lebenserwartung in allen Entwicklungsländern in den letzten 50 Jahren erheblich gesteigert werden. In Afrika hingegen sank sie in den letzten Jahren aufgrund von HIV und AIDS, einem Phänomen, das, wie unter dem Stichwort „HIV und AIDS“ aufgezeigt wird, ebenfalls armutsbedingt ist.


Weiterführende Links:

Informationen des Bundesministeriums für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ):
BMZ - Kindersterblichkeit
BMZ - Kindergesundheit

Spiegel-Artikel zur Kindersterblichkeit:
"Kindersterblichkeit - Jeden Tag 29.000 tote Kinder"

UNICEF-Informationen zur Kindersterblichkeit:
Kindersterblichkeit: "Ziel: Senkung der Sterblichkeitsraten von Kindern unter fünf Jahren um zwei Drittel bis 2015"

Über den Rückgang der Kindersterblichkeitsrate lesen Sie hier:
"Mehr Kinder überleben - Kindersterblichkeitsrate seit 1990 um ein Drittel gesunken"

Informationen der Central Intelligence Agency (CIA) zur Kindersterblichkeit:
"Country Comparison: Infant Mortality Rate" (englisch)

Online-Artikel über Kindersterblichkeit auf Ärtzeblatt.de
"WHO-Report: Umweltschäden Hauptursache für Kindersterblichkeit"

Sehr informative Seite der Weltgesundheitsorganisation zum Thema „Gesundheit von Kindern“:
WHO - Child Health (englisch)

WHO-Seite über Sterblichkeitsraten, darunter Kindersterblichkeit:
Mortality data - Information on levels of mortality and causes of death
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