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Hunger und Unterernährung

Hunger und Unterernährung sind ohne Frage als Merkmale und Folgen von Armut einzustufen. Aber sind sie auch Ursachen der Armut? Wer arm ist und kein Geld hat, ist oft von Mangelernährung und Hunger bedroht. Insofern haben wir es hierbei mit den schlimmeren Kennzeichen und Auswüchsen von Armut zu tun. Aber die Verursachung geht zweifellos auch in die andere Richtung. Wer nichts anderes im Kopf hat als seinen leeren Magen, wer an nichts anderes denken kann als sich zu fragen, woher er die nächste Mahlzeit bekommt, wem der Magen knurrt und wessen Körper durch wochenlanges Hungern geschwächt und ausgelaugt ist – der ist nicht imstande, sich in der Schule zu konzentrieren, der ist nicht in der Lage, einer geregelten Arbeit nachzugehen, der vermag sich keine Einkommen schaffenden Initiativen auszudenken, die ihm aus der Armut heraushelfen könnten. Wer hungert, der droht in seiner Not zu erstarren. Hunger und Mangelernährung schränken nicht nur die körperlichen, sondern auch die geistigen und seelischen Kapazitäten eines Menschen erheblich ein. Wir haben es hier mit der Befriedigung der untersten Bedürfnisstufe zu tun, bei der alle anderen Bedürfnisse – etwa nach Zuwendung, nach Selbstverwirklichung und Anerkennung, nach Befriedigung der Neugier, nach Beantwortung der Sinnfrage – zurückgestellt werden müssen. Hunger und Unterernährung sind der beste Garant dafür, dass die Armut fortgeschrieben wird und sich der Teufelskreis der Armut schließt, so dass es kein Entrinnen mehr gibt.

Hunger und Unterernährung sind Ursache von hohen Kindersterblichkeitsraten. Mehr als die Hälfte der Todesfälle bei Kindern werden durch Hunger und Unterernährung verursacht. Der Hunger führt auch dazu, dass andere Krankheiten eher zum Tode führen als ohne diesen Mangelzustand. Unterernährte Kinder beispielsweise sind doppelt so gefährdet, an Malaria zu sterben, als Kinder ohne Unterernährung.

Das erste und wichtigste der Millenniumsziele sieht vor, extreme Armut und Hunger bis zum Jahr 2015 zu halbieren – basierend auf den Zahlen von 1990. Leider ist es so, dass sich die absoluten Zahlen der Hungernden bis heute fast nicht verändert haben. Das ist eine schlechte Nachricht. Dennoch gibt es einen kleinen Hoffnungsschimmer: Der Bevölkerungsanteil der Hungernden an der Gesamtbevölkerungszahl konnte bis 2006 in den Entwicklungsländern von 20 auf 17 Prozent reduziert werden. Bis 2015 könnte dieser Anteil sich weiter auf 10 Prozent reduzieren. Das ist ein Fortschritt, auch wenn die absolute Zahl der Hungernden kaum abgenommen hat. Man muss, um diesen Fortschritt zu würdigen, berücksichtigen, dass die Weltbevölkerung seit 1990 von rund 5 Milliarden auf ungefähr 6 ½ Milliarden zugenommen hat.


Weiterführende Links:

FAO-Bericht zur Situation der Ernährungssicherung 2009
"Food Insecurity in the World" (englisch)

Internetseite von FIAN-Deutschland mitvielen Informationen zur Ernährung, Ernährungssicherung und Nahrung als Menschenrecht:
"FIAN Deutschland e.V. - Mit Menschenrechten gegen den Hunger"

Informationen über die internationale 30-Stunden-Hunger-Kampagne:
World Vision's 30 Hour Famine (englisch)

Informationen über den Hunger in der Welt und die Welthungerhilfe:
Hunger – das Kernthema der Welthungerhilfe

Informationen der Aktion “Brot für die Welt” der Diakonie über Ernährungssicherung:
Brot für die Welt - Ernährung sichern

n-tv-Bericht “Pro Minute sterben elf Kinder an Hunger”
"Hunger - Pro Minute sterben elf Kinder"

Spiegel-Bericht über die negativen Auswirkungen des Runs auf Biosprit für die Ernährung der Armen:
"Schattenseiten des Biospritbooms - Volle Tanks, leere Teller"
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