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Bevölkerungswachstum

Bevölkerungswachstum wird immer wieder als eine der Ursachen von Armut zitiert. Das ist zugleich richtig, aber auch falsch. Man muss den Zusammenhang von Armut und Bevölkerungsexplosion differenziert sehen. Man kann das Bevölkerungswachstum als Ursache der Armut ausmachen, aber zugleich auch als Folge der Armut. Wie das?

Diejenigen, die das rasante Bevölkerungswachstum in vielen Entwicklungsländern als Ursache der dort grassierenden Armut behaupten, beziehen sich gerne auf Länder wie Bangladesch oder Nigeria, die hohe Bevölkerungszahlen und -dichten haben und gleichzeitig von viel extremer Armut betroffen sind. Das arme Bangladesch hat die größte Bevölkerungsdichte eines Flächenstaates. Aber: Deutschland, die Niederlande, Japan, Südkorea, Taiwan u.a. haben hohe Bevölkerungsdichten und gehören doch zu den wohlhabendsten Staaten der Welt. Staaten wie die Mongolei, Mauretanien, Mali, Angola, Somalia, Sudan, die eine sehr niedrige Bevölkerungsdichte haben, zählen hingegen zu den ärmsten Ländern. Kanada, Australien oder Norwegen wiederum haben eine niedrige Bevölkerungsdichte und zählen zu den reichsten Ländern. Man darf also nicht verallgemeinern.

Bevölkerungswachstum und die Effizienz der Landwirtschaft

Dennoch kann ein unkontrolliertes Bevölkerungswachstum zur Armut beitragen, wenn eine noch ineffiziente Landwirtschaft die wachsende Bevölkerungszahl nicht länger zu tragen bzw. zu ernähren vermag. Hohe Bevölkerungszahlen – wie in Deutschland – bedürfen einer sehr effizienten Bodennutzung, was in Europa gegeben ist, in Afrika aber noch nicht, weshalb die landwirtschaftliche Entwicklung ein dringendes Gebot der Armutsbekämpfung ist. Bevölkerungswachstum kann also nur dann als Ursache der Armut konstatiert werden, wenn sie einhergeht mit einer ineffizienten, ertragsarmen Landwirtschaft.

Ein gutes Beispiel dafür ist Simbabwe. Eine effiziente Landwirtschaft – teilweise von erfahrenen Europa-stämmigen Farmern – vermochte die Bevölkerung Simbabwes über viele Jahrzehnte relativ gut ernähren. Die zwangsweise Enteignung von Farmen und deren Übernahme durch weniger fachkundige einheimische Bauern hat aber in den letzten Jahren dazu geführt, dass nicht mehr genug Nahrungsmittel produziert werden, so dass große Bevölkerungsteile hungern müssen (wobei, zugegebenermaßen, auch El Nino-Effekte hinzukamen). Aber die jetzt weit verbreitete Unterversorgung ist nicht so sehr auf die hohe Bevölkerungszahl zurückzuführen, sondern auf die ineffizienter gewordene Landwirtschaft.

Kein Geld für Nahrung

Mit der Behauptung, die Bevölkerungsexplosion sei eine der Ursachen – oder gar die Ursache – der Armut, geht oft die Vermutung einher (die sich aufgrund des gerade Gesagten ja auch nahezulegen scheint), dass wir für die hohe Bevölkerungszahl in der Welt einfach nicht genug Nahrungsmittel produzieren könnten. Doch der Mangel an Nahrungsmitteln ist nicht das eigentliche Problem. Vielmehr ist es die ungerechte Verteilung: Wer arm ist, kann sich die verfügbaren Nahrungsmittel nicht leisten. Sie sind ihm zu teuer. Er hungert, weil er arm ist, nicht, weil es zu wenig Nahrungsmittel gibt. Ein Bauer, der normalerweise von den Erzeugnissen seiner eigenen Scholle lebt, wird, wenn der Regen ausbleibt, darben, weil und wenn er kein Geld hat, um sich Nahrung auf dem Markt zu kaufen. Für viele Menschen ist Nahrung einfach zu teuer und unerschwinglich. Und wo kein Käufer ist, da ist auch kein Verkäufer.

Geburtenkontrolle

Wer das Bevölkerungswachstum als Ursache der Armut ausmacht, ruft sehr schnell nach einer effizienteren Geburtenkontrolle, um die Bevölkerungsexplosion zu verlangsamen. Aber das ist einfacher gefordert als umgesetzt. Wer arm und ungebildet ist, verhütet nicht. Wer informiert und gebildet ist, verhütet eher. Arme Gesellschaften haben höhere Bevölkerungswachstumsraten als wohlhabende Gesellschaften. Ursachen für niedriges Bevölkerungswachstum sind neben Wohlstand und Bildung auch solche Faktoren wie: Ablenkung durch Fernsehen und andere Freizeitbeschäftigungen, Verfügbarkeit und Erschwinglichkeit von Verhütungsmitteln sowie eine Werteverschiebung weg vom Kind als angestrebtem Wohlstandsmerkmal hin etwa zur beruflichen Selbstverwirklichung als Wohlstandsmerkmal.

Um Armut zu bekämpfen, reicht Geburtenkontrolle nicht aus. Es bedarf eines mehrdimensionalen Ansatzes der Armutsbekämpfung, der folgende Bereiche beinhaltet:
Bessere Anbaumethoden, bessere Bildung und bessere Aufklärung über Verhütungsmethoden. Dazu evtl. Kleinkredite, um neue, zusätzliche Einkommensquellen zu erschließen.


Weiterführende Links:

Wichtige Informationen zum Thema Weltbevölkerung und Bevölkerungswachstum:
Stiftung Weltbevölkerung

Einen laufenden Weltbevölkerungszähler finden Sie hier:
Umrechnung.org - Live Weltbevölkerungs-Anzeige

Die Weltbevölkerungszahlen des U.S. Census Bureau:
United States Census Bureau - Current Population Clock (englisch)

Website der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen e.V. (DGVN) über Bevölkerung:
Bevölkerung - Sieben Chancen für eine Welt mit sieben Milliarden Menschen

Ausgewählte demographische Daten vieler Länder:
Stiftung Weltbevölkerung - Länderdatenbank - "Hier finden Sie ausgewählte soziale und demographische Daten zu mehr als 180 Ländern und den einzelnen Regionen der Welt"
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