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Straßenkinder

Weltweit gibt es nach Auskunft der Vereinten Nationen etwa 200 Millionen obdachlose Kinder. Die Zahl wächst, und der Altersdurchschnitt dieser Kinder sinkt. Die Mehrheit der Straßenkinder „lebt gefährlich“; viele nehmen regelmäßig Drogen oder drogenähnliche Mittel. Drogen erlauben ihnen, sich wenigstens zeitweilig vom täglichen Überlebenskampf zu erholen. In südamerikanischen Ländern „schnüffeln“ zahlreiche Straßenkinder und sind von Terpentin, Klebemitteln oder auch stärkeren Drogen abhängig. Das Inhalieren von Klebemitteln kann Kopfschmerzen, Halluzinationen und langfristige Hirnschäden verursachen. Mit dem Drogenmissbrauch gehen oft Kinderprostitution und sexuelle Ausbeutung einher, was wiederum die Wahrscheinlichkeit einer HIV-Infektion erhöht.

Als Ursachen der Kinder-Obdachlosigkeit gelten Armut, Zerrüttung der Familien und eine hohe Jugendarbeitslosigkeit in den Städten. Einer der Gründe für den Anstieg der Zahl der Straßenkinder in den riesigen Städten der Entwicklungsländer ist die Flucht zahlreicher Familien vom Land in die Stadt. Sie kommen mit der Hoffnung auf Arbeit, guten Verdienst, eine angenehmere Wohnung und ein besseres Leben. Doch die meisten werden bitter enttäuscht. Viele Jungen und Mädchen – oft nicht einmal zehn Jahre alt – werden von ihren Eltern losgeschickt, um etwas zum Familieneinkommen beizusteuern. Weil viele diese Erwartungen nicht erfüllen können, bleiben sie lieber auf der Straße, als sich nach Hause zu wagen.

In den meisten Ländern der Welt kümmert sich kaum jemand um die Kinder der Straße. Entweder werden sie ignoriert, manchmal in Heimen untergebracht oder – wie in Brasilien – durch Todesschwadronen kurzerhand umgebracht. Auf diese Weise sollen in den letzten Jahren mehr als 5.000 brasilianische Straßenkinder verschwunden sein.Diese Art der „Straßenreinigung“ durch Polizeikräfte wird von Menschenrechtsgruppen angeprangert.

Straßenkinder werden zuweilen in drei Kategorien unterteilt:

1. Straßenkinder der 1. Kategorie (children on the street): Sie sind noch in eine Familie eingebunden und haben ein Zuhause. Viele arbeiten aber auf der Straße, weil sie zum Familieneinkommen beitragen müssen. Abgesehen von der Arbeit als Zigarettenverkäufer, Parkaufseher oder Autoputzer suchen sie auf der Straße Freunde und Abwechslung. Oder sind nur deshalb dort, weil es in ihrem Zuhause zu eng und überfüllt ist.

2. Straßenkinder der 2. Kategorie (children of the street): Sie haben zwar noch ein Zuhause, gehen aber selten dorthin, besuchen auch keine Schule und überleben, indem sie ihr Brot auf der Straße verdienen. Sie sind weitgehend auf sich allein gestellt. Täglich beginnt für sie die Suche nach Nahrung und Unterkunft aufs Neue. Ihre Familien sind meist bitterarm. Oftmals sind sie von Zuhause ausgerissen, weil sie misshandelt oder sexuell missbraucht wurden. Häufig sind die Eltern Alkoholiker. Die eigene Familie bietet diesen Kindern weder Geborgenheit noch Liebe und Ermutigung. Sie wird als Ort der Angst gemieden.

3. Straßenkinder der 3. Kategorie (children in the street): Sie betrachten die Straße als ihr einziges Zuhause und haben keine Familienanbindung mehr. Auf der Straße suchen sie Unterschlupf, Nahrung und Anschluss an andere Straßenkinder – quasi als Familienersatz. Einige dieser Kinder sind Waisen, andere wurden von Vater und Mutter verstoßen oder ausgesetzt. Die Kleinen sind physisch und psychisch isoliert. Viele von ihnen können sich nicht erinnern, wie es war, ein echtes Zuhause zu haben.


Weiterführende Links:

Straßenkinder in Deutschland:
Off Road Kids

Straßenkinder weltweit:
Streetkids International e.V.
UNESCO Kinder
Kindernothilfe: "Kindheit in den Slums von Nairobi"
RUA - Hilfe für Straßenkinder e.V.
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