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Kinderarmut in Europa

Im Durchschnitt lebten im Jahr 2006 nach Ergebnissen der EU-SILC-Erhebung in der europäischen Union 19 Millionen Kinder unterhalb der Armutsrisikogrenze. Dies entspricht rund 19 Prozent aller in Europa lebenden Kinder.

In den meisten EU-Ländern mit Ausnahme von Dänemark und Finnland (10 %), sowie Zypern (11 %), Deutschland und Slowenien (12 %) und Belgien (15 %), wo die Kinderarmutsquote geringer oder gleich der Quote der Gesamtbevölkerung ist, haben Kinder ein höheres Armutsrisiko als Erwachsene. In fast der Hälfte aller EU-Länder liegt das Armutsrisiko von Kindern bei 20 Prozent oder darüber und erreicht das höchste Niveau in Lettland und Polen mit 26 Prozent.

In der gesamten EU sind die Länder mit den geringsten Kinderarmutsquoten eindeutig diejenigen, die am meisten für Sozialleistungen (außer Renten9) aufwenden, wobei Zypern und – in geringerem Umfang – Slowenien bemerkenswerte Ausnahmen bilden. Im Durchschnitt der EU reduzieren Sozialtransfers mit Ausnahme von Renten das Armutsrisiko von Kindern um 42 Prozent, wobei dies eine größere Auswirkung darstellt als in der Gesamtbevölkerung (38 %). Spezielle Leistungen für Kinder haben die stärksten Auswirkungen auf Kinderarmut. Die Länder, in denen Sozialleistungen die größten Auswirkungen auf Kinderarmut haben, sind auch diejenigen, in denen Leistungen für Familien die größte Wirkung bei der Verminderung von Kinderarmut zeigen. In Deutschland, Zypern, Österreich und Finnland vermindern Leistungen für Familien das Risiko von Kinderarmut um 1/3 oder mehr.

Folgen der Kinderarmut in Europa

Verhungern müssen arme Kinder in Europa normalerweise nicht mehr. Vielmehr leiden sie eher an Verwahrlosung und einem Mangel an Fürsorge, denn zur finanziellen Belastung gesellt sich in vielen Familien der Frust. Kinder aus armen und sozial schwachen Familien fallen zudem häufiger durch Entwicklungsstörungen auf als ihre besser gestellten Altersgenossen. Im Gegensatz zu Frankreich, wo ein Großteil der Dreijährigen die Vorschule besucht und der Besuch der Vorsorgeuntersuchungen an die Zahlung des Kindergelds gebunden ist, sehen in Deutschland nicht wenige Kinder den Arzt zum ersten Mal bei der Einschulung. Dabei könnten durch eine engere Kontrolle Probleme wie psychomotorische Rückstände und Sprachprobleme rechtzeitig erkannt und behandelt werden. Diese schlechten Ausgangsbedingungen bleiben nicht ohne Auswirkungen auf die schulische Motivation der Kinder.

Dennoch muss Einkommensarmut nicht zwangsläufig zu eingeschränkten Entwicklungsmöglichkeiten führen. Ein guter Familienzusammenhalt, ein fördernder Erziehungsstil, das Gefühl von Geborgenheit und das Vorhandensein stabiler sozialer Netzwerke sind wichtige Schutzfaktoren, die ungünstige materielle Bedingungen vor allem in den ersten Lebensjahren abfedern können.


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