ARMUT.de
 
Leben mit Hartz IV

Hartz IV ist die Grundsicherungsleistung für nicht arbeitende Erwerbsfähige. Hartz IV ist die Bezeichnung für das „Vierte Gesetz für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt“. Mit diesem Gesetz wurde ab Januar 2005 die Sozialhilfe und die Arbeitslosenhilfe zusammengelegt. Jetzt gibt es Arbeitslosengeld II für Arbeitslose und Sozialgeld für Angehörige von Arbeitslosen. Jeder, der arbeitslos und bedürftig ist, bekommt nur noch Leistungen, die so hoch sind wie die Sozialhilfe. Egal, was jemand gelernt hat und wie viel er oder sie vorher verdient hat. Der Regelsatz, der den Empfängern zur Verfügung steht, beträgt 345 Euro. Zusätzlich bekommt man für die Wohnung die Miet- und Mietnebenkosten bezahlt – allerdings nur bis zu einer gewissen Größe der Wohnung.

Arbeitslosigkeit kann jeden treffen. Zur Zeit gibt es in Deutschland rund vier Millionen Arbeitslose. Arbeitslosigkeit ist ein Massenphänomen geworden. Das heißt: Der Grund dafür liegt in den meisten Fällen nicht im Verhalten der Betroffenen, sondern im strukturell bedingten Fehlen von Arbeitsplätzen. Wichtigste Ursache der Arbeitslosigkeit ist der Trend zum Stellenabbau der Unternehmen aufgrund von mangelndem Wirtschaftswachstum, Überproduktivität, Fusion, Outsourcing und/oder Gewinnmaximierung. Hinzu kommen Schicksalsschläge wie Krankheit, Invalidität, Mutterschaft u.ä. Freilich gibt es auch das Phänomen der Arbeitsunwilligkeit. Weit verbreitet ist die Unterqualifikation, aber auch die Überqualifikation.

Über den Empfänger von Hartz IV lässt sich sagen, dass er oder sie - zumindest in der Theorie:

  • nicht verhungern muss
  • nicht verwahrlosen muss
  • meist mit dem Fahrrad seine Erledigungen machen muss
  • per Telefon, PC und Internet kommunizieren und sich ausreichend informieren kann

Allerdings gibt es zahlreiche Beispiele von Hartz-IV-Empfängern, die, aufgrund von Arbeitslosigkeit, Krankheit, Insolvenz usw. in Armut gestürzt, nicht von Hartz IV leben können, die tatsächlich hungern, verzweifelt sind und, trotz intensiver Bemühungen, ihre Lebenssituation zu verbessern, inzwischen die Hoffnung auf Besserung aufgegeben haben. (Die Betreiber dieser Website erhalten zahlreiche Zuschriften mit konkreten Beispielen, die das belegen.)  

Selbst wem es tatsächlich gelingt, mit Hartz IV eher schlecht als recht über die Runden zu kommen, muss äußerst bescheiden und anspruchslos leben, mit jedem Cent rechnen, sich rational und rationell verhalten und zu verzichten lernen. Mit 345 Euro kann er sich regelmäßig gerade noch einige Grundnahrungsmittel im Discounter kaufen. Dass er aber dennoch arm ist zeigt sich an den Dingen, für die er in der Regel jedoch kein Geld hat:

  • Kino, Theater und Sportveranstaltungen
  • Einladungen und Bewirtung von Gästen, Freunden, Verwandten
  • Restaurantbesuche
  • Möbel und anderer Hausrat (Neuanschaffung) wie Waschmaschine, Sitzgarnitur etc.
  • Kleidung, Schuhe etc.
  • Kleine Geschenke zu Geburtstagen, Weihnachten etc.
  • PKW (Anschaffung oder Unterhalt)
  • Reinigung
  • Urlaub und Reisen
  • Reparatur für Schuhe, Kleidung, Haushalt
  • Tageszeitung
  • Vereinsbeiträge
  • Rücklagen für spätere Anschaffungen

Wer in dieser Weise zur Armut genötigt ist, empfindet diese Armut auch als schmerzhafte Ausgrenzung aus großen Teilen des gesellschaftlichen Lebens. Er oder sie fühlt sich in seiner menschlichen Würde herabgesetzt.

Hartz IV-Familien

Bundesweit lebten 2008 etwa 1,7 Millionen Kinder unter 15 Jahren in sogenannten Hartz IV-Familien. Einer aktuellen Studie zufolge wohnen in Bremerhaven und Schwerin vergleichsweise die meisten Kinder von Hartz-IV-Leistungen: Von insgesamt rund 15.000 Kindern unter 15 Jahren wachsen in Bremerhaven 5.681 in Hartz-IV-Familien auf. Dass in Bremerhaven sehr viele Menschen in Armut leben, geht auf die industrielle Vergangenheit der Hafenstadt zurück, die hauptsächlich vom Zusammenbruch der Fischerei und Werftindustrie betroffen ist. In Mecklenburg-Vorpommerns Landeshauptstadt Schwerin wurde im gleichen Jahr für 3.712 von 9.830 Kindern unter 15 Jahren Hartz-IV-Geld überwiesen.

Hochprävalenz von Hartz-IV-Kindern in deutschen Städten:

















Weiterführende Links finden Sie unter der Rubrik Armut in Deutschland

© 2008 ARMUT.de
Partner:  
Aktion Deutschland hilft (ADH) Gemeinsam für Afrika (GfA)Entwicklungspolitisches Netzwerk Hessen (EPN)CAREChristoffel-Blindenmission e.V. (CBM)World Vision Deutschland e.V.