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Ursachen und Folgen von Kinderarmut

von Isabel Frankenberg

Im Vergleich zu anderen Ländern ist Deutschland eine der wirtschaftsstärksten Nationen und stand im Jahr 2016 auf Platz 18 der reichsten Länder der Welt. Trotzdem sind auch Menschen in Deutschland auf die Leistungen vom Staat angewiesen. Was viele nicht wissen: Vor allem Kinder leiden häufig unter der Armut ihrer Familie. Laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung aus dem Jahr 2016 sind immer mehr Unter-18-Jährige von den Sozialleistungen abhängig. Der folgende Text von Isabel Frankenberg klärt darüber auf, welche Folgen Kinderarmut für die Betroffenen haben kann und wie diese überhaupt entsteht.

Laut dem Armutsbegriff einer EU-Konvention droht Kinderarmut, sobald die sogenannte „Armutsgrenze“ erreicht ist. Diese gilt, wenn Personen über weniger als 60 Prozent des mittleren gewichteten Nettoeinkommens zur Verfügung stehen. Hierbei werden alle Einkünfte der im Haushalt lebenden Personen eingerechnet, so auch Kinder, für die ein bestimmtes Kindergeld zur Verfügung steht. Laut der Definition lag die Armutsgrenze für eine Familie mit zwei Kindern im Alter unter 14 Jahren im Jahr 2016 bei 1926 Euro. Allein in Deutschland leben rund 2,47 Millionen Kinder in armen oder armutsgefährdeten Familien. Insgesamt ist fast jedes fünfte Kind von Kinderarmut betroffen. Deutliche Unterschiede lassen sich vor allem in den einzelnen Regionen feststellen. Während in Bayern die geringste Zahl an Kinderarmut vorherrscht, leben in Bremen prozentual die meisten von Kinderarmut betroffenen Kinder. Zudem sind die vorliegenden Zahlen in Ostdeutschland immer noch deutlich höher als die im Westen Deutschlands.

Die Gründe für Kinderarmut sind vielseitig und werden von verschiedenen Faktoren beeinflusst. So lassen sich bestimmte Risikogruppen feststellen, in denen Kinderarmut besonders häufig vorkommt. Einer der größten Risikofaktoren ist die Arbeitslosigkeit. Ist jemand über ein Jahr erwerbslos, gilt er als Langzeitarbeitsloser. Doch auch Familien mit einem alleinerziehenden Elternteil sind nicht selten von Armut betroffen. Das liegt häufig an den unzureichenden Unterhaltszahlungen von Seiten des anderen Elternteils. Zudem können viele Alleinerziehende – aufgrund der fehlenden Betreuungsmöglichkeiten für ihr Kind – nur Teilzeit arbeiten. Folgende weitere Risikogruppen lassen sich zusätzlich feststellen:

  • Familien mit drei oder mehr Kindern: Oftmals werden Eltern kinderreicher Familien auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt, da sie als Risiko angesehen werden.

  • Menschen mit Migrationshintergrund und Ausländer: Probleme auf dem Arbeitsmarkt führen dazu, dass Menschen dieser Bevölkerungsgruppen häufig Geringverdiener sind oder Hartz IV beziehen.

  • Personen mit niedrigem Qualifikationsniveau: Diese werden oft nur im Niedriglohnsektor beschäftigt. Kinder zu ernähren ist unter diesen Umständen meist sehr schwierig.

  • Ebenso wie die Gründe sind auch die Folgen von Kinderarmut vielschichtig und betreffen unterschiedliche Lebensbereiche. So lässt sich beispielsweise feststellen, dass Kinder aus armen Familien häufiger gesundheitliche Probleme haben. Kinder, deren Eltern sich sportliche Aktivitäten nicht leisten können, leiden häufiger an Übergewicht als andere Kinder. Zudem sind gesündere Lebensmittel oft teurer, weshalb sich von Armut betroffene Kinder in einigen Fällen schlechter ernähren. Weiterhin kann die Kinderarmut auch Auswirkungen auf die Psyche eines Kindes haben. Aufgrund der finanziellen Notlage können sich die Eltern keine Musik- oder Sportvereine oder andere Hobbys für ihre Kinder leisten. Dadurch wird das Sozialverhalten des Kindes unter Umständen beeinträchtigt. Viele Kinder schämen sich und ziehen sich deshalb in ihr Zuhause zurück. Das kann auch dazu führen, dass die Kinder aufgrund großer Hoffnungslosigkeit weniger Ansprüche an sich selbst und ihre Zukunft haben. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie als Erwachsene Probleme auf dem Arbeitsmarkt haben werden oder an Depression leiden steigt.

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    Zur Interessengemeinschaft Sozialrecht e.V.:

    Die Interessengemeinschaft Sozialrecht e.V. wurde im Januar 2017 vom Rechtsjournalisten Marcel Weber in Berlin gegründet. Der Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, Transparenz im Bereich Sozialrecht zu schaffen, um interessierten Bürgerinnen und Bürgern einen Einblick in die wichtigsten Themen zu bieten.

    Ziel und Zweck der Interessengemeinschaft e.V. ist die Beobachtung sozialrechtlicher Entwicklungen, Analyse und Kommentierung aktueller Rechtsprechungen sowie der Bereitstellung von Informationen und Hilfestellungen für Leistungsempfänger und Interessierte. Dabei verfolgt der Verein keinerlei eigenwirtschaftliche Zwecke. Die Mittel des Vereins dürfen nur für satzungsmäßige Zwecke verwendet werden. In ihrer Eigenschaft als Mitglieder des Vereins erhalten diese keine Zuwendungen oder Gewinnanteile aus Mitteln des Vereins.

    (verfasst im Mai 2017)



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