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Kinderarmut in Deutschland

Relative Armut betrifft in Deutschland zunehmend Kinder. Und diese Situation verschlechtert sich derzeit dramatisch. Lebten im Jahre 2003 1,08 Millionen Kinder in Haushalten, die Sozialhilfe bezogen (wobei der Bezug von Sozialhilfe ein hilfreicher Indikator relativer Armut darstellt), so war diese Zahl schon Ende 2004 auf 1,45 Millionen angestiegen. Im Jahre 2006 liegt diese Zahl bereits bei 2 Millionen oder darüber. Arme Kinder leiden aufgrund der wirtschaftlichen Situation ihrer Familie unter körperlichen und seelischen Belastungen, haben schlechtere Aussichten für ihre schulische und berufliche Ausbildung, werden schlechter mit materiellen Gütern versorgt, sind zuweilen fehlernährt, haben oft weniger soziale Kontakte und Freunde. Gerade angesichts der Tatsache, dass deutsche Kinder (im Alter von 6 bis 17 Jahren) heute über 10 Milliarden Euro zur Verfügung haben, wird die eigene relative Armut der „Habenichtse“ als diskriminierend, ausgrenzend und beschämend empfunden.

Nach amtlicher Statistik lebten Ende 2003 mehr als eine Million Kinder und Jugendliche (unter 18jährige) von Sozialhilfe; dies entsprach 7,2 Prozent aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland. Bei den Kindern im Grundschulalter lag die Quote knapp darunter. Die Armutsquote von Kindern und Jugendlichen ist jedoch deutlich höher als die Sozialhilfequote. Bei den Sieben- bis Zehnjährigen der untersuchungs¬relevanten Altersgruppe haben insbesondere Kinder aus Ein-Eltern-Familien (37 % leben von einem Einkommen unterhalb der Armutsgrenze), Kinder aus sehr großen Familien (vier und mehr Kinder) (56 % unterhalb der Armutsgrenze) und Kinder von Familien mit Migrationshintergrund (50 % unterhalb der Armutsgrenze) ein extrem hohes Armutsrisiko.

(Quelle: Arbeiterwohlfahrt: http://www.awo.org/pub/soz_pol/armut/iss-3-end/view)

Weitere Zahlen und Fakten:

• Jedes siebte Kind/jeder siebte Jugendliche ist arm (lebt in einer Familie, die weniger als 50 Prozent des durchschnittlichen Einkommens zur Verfügung hat).
• Die Hälfte aller Kinder in Deutschland lebt in finanziell unsicheren Verhältnissen (75 Prozent des mittleren Einkommens).
• 37 Prozent der drei Millionen Sozialhilfeempfänger/innen sind Kinder und Jugendliche.
• 6,6 Prozent aller Kinder erhalten Sozialhilfe (doppelt so viel wie der Bevölkerungsdurchschnitt).
• Arme Kinder benötigen fast doppelt so häufig Frühförderung wie Kinder aus nicht-armen Elternhäusern.
• Gegenüber einem Arbeiterkind hat ein Kind aus der oberen Schicht – bei gleicher schulischer Leistung – eine 2,6mal höhere Chance, auf das Gymnasium zu gehen.
• 16 Prozent der armen Kinder fühlen sich oft einsam (gegenüber 9 Prozent der nicht-armen Kinder).
• Nur ein Viertel der armen Kinder ist Mitglied in einem Verein (bei nicht-armen Kindern ist es die Hälfte).

Soziale Herkunft

Das Armutsrisiko von Kindern ist hochgradig durch ihre soziale Herkunft bestimmt. So zeigen sich innerhalb eines jeden Haushaltstyps extreme klassenspezifische Differenzen. Familien der höheren sozialen Klassen – in denen 46 Prozent aller Kinder leben – haben ein sehr geringes Armutsrisiko. Ist der Haushaltsvorstand dagegen einfacher Arbeiter, findet sich jedes sechste in kleineren und annähernd jedes zweite Kind in größeren Familien in extremer Armut. Auch bei den Alleinerziehenden zeigt sich eine klare Klassendifferenzierung, wobei etwa zwei Drittel aller armen Kinder in Alleinerziehenden-Haushalten eine Arbeiterin als Mutter haben.

Wohlstands- und Armutsquoten nach Familienherkunfttypen:





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