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Bekämpfung der Armut in Deutschland

Die Bekämpfung der relativen Armut und des Armutsrisikos in Deutschland ist, wie jedermann weiß, ein Dauerthema, das Politik, Medien und Bürger umtreibt. Gäbe es einfache Antworten und Lösungen, hätte man sie schon umgesetzt. Doch leider gibt es sie nicht. Im Gegenteil: Die Armut scheint sich weiter zu verschärfen, aufgrund der negativen Auswirkungen der Globalisierung, der Überproduktivität der Arbeitenden, aufgrund eines Turbokapitalismus, der allzu bereitwillig Arbeitstellen dem Shareholder Value opfert sowie aufgrund der daraus sich ergebenden allgemeinen Arbeitslosigkeit und eines sinkenden Lohnniveaus.

Was ist zu tun? Man wird die Probleme nicht lösen oder wegdiskutieren können. Aber man muss versuchen, sie abzuschwächen. Aber wie? Hier sind einige Lösungsansätze, die diskutiert werden:

1. Mehr Innovation

Deutschland braucht mehr Innovationen, um als Industrienation vorne zu bleiben und eine höhere Beschäftigung zu erreichen. Nur wenn wir in der Lage sind, unser technologisches und kreatives Potential durch den Einsatz einer größeren Zahl gut ausgebildeter Fachkräfte abzurufen, werden wir den Vorsprung, den wir derzeit auf manchen Gebieten immer noch haben, langfristig halten können.

2. Mehr Bildung und Ausbildung

Um ein innovatives Klima zu erreichen, braucht Deutschland mehr gut gebildete und ausgebildete Fachkräfte. Die Stärke, die Deutschland in der Vergangenheit ausgezeichnet hatte, war der handwerkliche Mittelstand. Doch der allein ist nicht länger tragfähig. Eltern müssen erkennen, dass ihre Kinder nur dann eine gute Zukunftschance haben, wenn sie eine gute Erziehung, Bildung und Ausbildung erhalten.

3. Mehr ausländische Fachkräfte

Neben besser ausgebildeten Deutschen braucht Deutschland auch zusätzliche hochqualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland. Diesen Fachkräften muss der Weg geebnet werden, für sie müssen Anreize geschaffen werden. Wenn zu viele schlecht ausgebildete Wirtschaftsflüchtlinge und zu wenige Fachkräfte zu uns kommen, werden wir dieses Missverhältnis auf Dauer volkswirtschaftlich teuer bezahlen.

4. Mehr Unternehmergeist

Deutschland liegt bei den Unternehmensgründungen weit hinten. Das Sicherheitsdenken der Deutschen führt immer noch dazu, dass nach dem Vater Staat gerufen wird, der die finanzielle und soziale Sicherheit garantieren soll. Aber das kann er langfristig nicht mehr. Deshalb ist in Deutschland mehr Innovationskraft und Unternehmergeist gefragt.

5. Faires Lohnniveau

Man sagt, Autos kaufen keine Autos, nur Menschen kaufen Autos. Aber Menschen können sich Autos und andere Gebrauchsgüter nur dann leisten, wenn sie auch entsprechendes Geld in der Tasche haben. Unternehmen schaden sich letztlich selbst, wenn sie Stellenabbau und Lohndumping betreiben. Unternehmen müssen wissen, dass wenn sie Kündigen aussprechen und Lohnsenkungen vornehmen, sie in Zukunft weniger zahlungsfähige Kunden haben werden.

6. Zügelung des Turbokapitalismus


Unternehmen, die, um ihren Aktionären höhere Gewinne zu ermöglichen, massiven Stellenabbau betreiben, schaden letztlich sich selbst und den Aktionären, weil der Stellenabbau (siehe unter 5.) zwar kurzfristig die Gewinne begünstigt, aber langfristig reduziert. Es handelt sich um einen selbst-auflösenden Teufelskreis

7. Gezielter kaufen

Der kostenbewusste Bürger neigt dazu, dort einzukaufen, wo die Produkte am billigsten sind. Also bei den Discountern und den großen Supermarkt-Ketten. Damit jedoch fördert er den Verdienst der Großunternehmen, durch Mengenrabatte Preisdumping betreiben können. Der Bürger sollte jedoch lieber dort einkaufen, wo er den Geschäftsinhaber persönlich kennt, auch wenn dort die Produkte etwas teurer sind. Dadurch würde die Wirtschaftskraft des kleinen Mannes gestärkt und letztlich der Bürger selbst profitieren.

Siehe auch:
Kinderarmut - Wege aus der Krise


Aktueller Vortrag zum Thema:
Frau Prof. Dr. Margherita Zander, Expertin für Armut in Deutschland, hielt im Juni 2012 an der ev. Akademie Meißen den Vortrag "Arme Kinder im Sozialstaat?! Wege aus der Kinder- und Jugendarmut", der sich auch mit Möglichkeiten der Armutsbekämpfung auseinandersetzt.


Weiterführender Link:
Initiative Armut durch Pflege
Armut durch Pflege ist eine Initiative, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, über das erhöhte Armutsrisiko, Verarmung und soziale Ausgrenzung in der Familienpflege aufzuklären.
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